Mittwoch, 29. August 2007

gedanken zum mittwochmorgen

wahrscheinlich sind es die schnellebigkeit und der konkurrenzdruck von heute, welche mir in den letzten paar jahren oftmals falten des zorns ins gesicht gezaubert haben, oder aber die offenbar schwindende sorgfalt, mit der djs von heute ausgebildet werden. ich werde zur veranschaulichung die szenerie chronologisch aufbauen:

gerade hat man einigermaßen tapfer den fünften nichtssagenden titel hinter sich gebracht und fragt sich, ob ein neues bier wohl mehr freude bringen wird als der immer noch nicht ausgetrunkene vorgänger (auch hier meine ich jetzt natürlich nur bier!), da erschallt ein rhythmus, den man sofort erkennt, und alle positiven assoziationen, die man überhaupt haben kann, formieren sich zu einem glücksgefühl, welches man niemandem beschreiben kann, der nicht schon einmal in der discothek unvermittelt SEINE hymne auf die ohren bekommen hat. heruntergekippt ist das bier, abgetan alle bis dahin aufgetanen sozialen kontakte, man freut sich, ist mit sich selbst und eigentlich der ganzen welt im reinen und stürzt auf die tanzfläche, um sich ganz und gar seiner persönlich favorisierten discohymne der woche hinzugeben. nun kennt man ja diese hymnen. sie fangen ganz nett an, drehen auf, drehen noch mehr auf, und als es nicht mehr zu steigern ist, kommt er - der BREAK! eine - in clubversionen oftmals angenehm breit getretene - stelle jenseits der mitte des liedes, welche nahezu ohne schlagzeug auskommt und nur noch von sphärischen harmonien oder betörenden gesängen lebt. es ist wir ein hinauszögern des orgasmus, welches seine daseinsberechtigung daraus zieht, dass es die vorfreude auf das zugegebenermaßen anvisierte "ziel" eben noch verlängert, bevor es dann doch "zur sache" geht. so schön sich dieses konzept die produzenten von club- und auch popmusik ausgedacht haben, so sehr es sich auch bewährt hat in den letzten jahrzehnten - die plattenaufleger glauben leider erkannt zu haben, dass sich solche "pausen" doch prima dazu nutzen lassen, ein bisschen scratching zu üben, einige definitiv NICHT im rhythmus liegende beats eines anderen tracks einzuspielen, und, noch bevor der break des aktuellen songs vorbei ist, schnell zum nächsten lied überzublenden. und wo bleibt nun mein orgasmus?!
liebe djs, das geht nicht. das geht noch viel weniger als autobahn. wenn ihr das hier lest - tragt es hinaus in alle welt!

ein discogänger