Sonntag, 5. Juli 2009

der tag, an dem gustavo nicht mehr nett sein wollte

nette männer sind nützlich. sie sind hilfsbereit, man kann in krisensituationen auf sie zurückgreifen, sie sind quasi ein backup-plan, den ein jeder gern im hinterkopf hat. deshalb wird man sie auch niemals von plan b nach plan a „befördern“. risikoreich lebt es sich bekanntlich interessanter, aufregender, und mithilfe eines plan b sogar trotzdem noch sicher.
diese erkenntnis glaube ich gemacht zu haben, als mögliche ursache dafür, dass mich zwar viele nett finden, aber eben auch nicht mehr. zum scheitern eines neuerlichen beziehungsversuchs kommentierte ein freund von mir: „aber warum hat es denn nicht funktioniert, du bist doch total nett!“.
da war es wieder, dieses wort. „nett“. und so dachte ich mir, wenn „nett sein“ der grund ist, warum ich mit 30 immer noch single bin, dann liegt es auf der hand, einfach nicht mehr nett zu sein. mit diesem vorsatz begab ich mich dann gestern auf eine homosexuelle massenveranstaltung, darauf vorbereitet, bestimmt einige bekannte zu treffen, zu denen ich sonst immer nett bin. und ohne genauen plan, wie man sich eigentlich verhält, wenn man nicht nett zu jemandem ist.
ich betrat die location und geriet direkt in eine kleine unterhaltung mit einer – wie wir es nennen – szene-bekanntschaft; ein paar begrüßungsfloskeln sowie befindlichkeitsempfindungen wurden ausgetauscht. und alsbald folgte eine interessante wendung des gesprächs: „du bist total süß, ehrlich. du bist ’n richtig netter.“
ich erkannte, dass mein experiment unwiderbringlich innerhalb von rekordverdächtigen fünf minuten gescheitert war. das hatte selbst mich überrascht. noch bevor ich gelegenheit hatte, das gehörte zu verdauen, erschien eine fremde aufdringliche person und erbat das letzte bisschen sekt, das sich im besitze meines gesprächspartners befand und auf das ich soeben spekuliert hatte; sie bekam ihren sekt, den letzten rest behielt mein gegenüber selber. ich verschwand mit den worten, dass ich mal zur theke gehe und mir selbst was hole.
netten leuten muss eben nichts ausgeben. sie sind ja ohnehin nett zu einem.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen